Weihnachten

An Weihnachten wendet sich der Papst jedes Jahr mit einer Friedensbotschaft an die ganze Welt. Er knüpft damit an die Weihnachtserzählung an. Bei der Geburt Christi singen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“. Es war die tiefe Überzeugung der Juden, dass mit dem Messias auch eine lange Zeit des Friedens anbrechen würde.

Wo ist der Friede geblieben? Folgt man den Nachrichten, hört man immer wieder, unsere Zeit sei eine besonders friedlose Zeit. Das bezieht sich besonders auf die blutigen Krisen und Kriege, die auch dieses Jahr geprägt haben: in Syrien, im Jemen, in Myanmar, Afghanistan oder im Sudan. Aber es ist noch mehr gemeint. Der Friede hat viele Dimensionen. In Europa geht es zum Glück nicht um kriegerische Gewalt. Aber es geht um den gesellschaftlichen Frieden. Die politischen Auseinandersetzungen der letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Diskussionen um Migration, soziale Gerechtigkeit, Terrorismus, Antijudaismus, Europa oder die gewalttätigen Ausschreitungen beim G20-Gipfel erreichen uns in unserem Alltag. Wir erleben eine gereizte Gesellschaft. Wie lässt sich der Friede wieder herstellen?

Schaut man die biblische Botschaft etwas intensiver an, wird klar, dass auch der biblisch verheißene Friede niemals spannungsfrei ist. Gerade das Kommen des Messias bedeutet kein sich „Beruhigt-Zurücklehnen“. Das Johannesevangelium beschreibt das Wirken Jesu als einen Kampf des Lichtes mit der Dunkelheit. Wer Frieden möchte, muss sich auseinandersetzen. Licht und Dunkelheit können nicht gleichzeitig nebeneinander bestehen. Zwischen ihnen gibt es keinen Kompromiss. Im Kern geht es darum, das Gute, Gottgewollte zu erkennen und es zu tun. Johanneisch formuliert bedeutet dies: Jesus anerkennen oder ablehnen. Deswegen gehören „Ehre sei Gott in der Höhe“ und „Friede auf Erden“ für die Evangelien zusammen.

Als Christen sind wir Parteigänger Jesu. Der Einsatz für das Licht ist uns aufgetragen. Dieser Einsatz wird nicht mit Waffen, politischen Mehrheiten oder massenmedialer Einflussnahme geführt. Der Weg des Kindes Jesus ist ein anderer: Demut, Dienst, Erbarmen, Vergebung, Begegnung, Umkehr, Liebe und Zuwendung. Daran erinnert das Weihnachtsfest und dazu fordert es uns heraus.

(Pfarrer Dr. Georg Bergner)